Bänteli Dekor Basel

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Die «Christos» der Swiss Indoors

Von Fabian Kern. Aktualisiert am 27.10.2011BAZ Online

Link zum Artikel auf BAZonline


Doris und Heinz Bänteli verhüllen seit 21 Jahren graue Wände und Stahlrohrtribünen am Basler ATP-Turnier. Die stressige Arbeit empfinden sie als angenehme Abwechslung.
 
Hüter des blauen Stoffs
Doris und Heinz Bänteli sind seit 1990 verantwortlich für die blauen Vorhänge, die von den Swiss Indoors nicht mehr wegzudenken sind. «Der Farbton wurde gewählt, weil er im Fernsehen fast nicht sichtbar ist», erklärt Heinz Bänteli.
Bild: Fabian Kern

> Weiter zur Bildstrecke

Blau ist eigentlich eine kalte Farbe. In der St. Jakobshalle dient der blaue Stoff aber dennoch dazu, eine gemütliche Atmosphäre zu erzeugen. «Der Farbton wurde damals gewählt, weil er im Fernsehen praktisch nicht sichtbar ist. Die Vorhänge dürfen nicht drückend wirken», erklärt Heinz Bänteli. «Damals», das ist nun bereits 21 Jahre her. Bänteli, der mit seiner Frau seit 1980 die Firma «Bänteli Dekor» im Gundeldingen-Quartier erfolgreich führt, hatte gerade das 100-jährige Coop-Jubiläum in der St. Jakobhalle mit seinen Vorhängen verschönert. «Da fragte mich der damalige Werbeverantwortliche der Swiss Indoors, ob ich das auch einmal beim Tennis machen könnte», erinnert sich Bänteli. Er konnte. Anfangs war es nur der lange Gang, zwei Jahre später dufte man bereits die Tribüne verkleiden. «Da mussten wir schneidern am Laufmeter, das war lustig», sagt Doris Bänteli lachend.

 

 

Organisation ist alles

Inzwischen ist man bei stolzen 10 Kilometern Vorhang angelangt – 14'000 m². «Fast wie bei Christo», sagt Heinz Bänteli augenzwinkernd in Anlehnung an den bulgarischen Verhüllungskünstler. Zwischenzeitlich war es gar noch ein bisschen mehr Stoff, aber seit die Hinterseite der Tribüne schwarz gestrichen wurde, braucht es jene Vorhänge nicht mehr. An Arbeit mangelt es den Bäntelis und ihren elf Angestellten dennoch nicht. «Man muss sehr flexibel sein. Jedes Jahr gilt es, einzelne Stücke anzupassen», sagt Doris Bänteli. Zwei Monate vor Turnierstart holt man die sorgfältig angeschriebenen, massgeschneiderten Stoffe aus dem gut belüfteten Keller, und dann gilt es zu kontrollieren, Ringli anzunähen, zu bügeln und zu montieren.
Seit dem letzten Montag ist ein acht Mann starkes Team damit beschäftigt, die Vorhänge anzubringen. Dabei können sie aber nicht immer im eigenen Tempo arbeiten. «Die TV-Kameras werden erst heute Donnerstag geliefert. Vorher können wir auch den Turm, auf dem sie stehen werden, nicht verhüllen.» Die Deadline am Freitag Abend war bis anhin aber noch nie in Gefahr. «Jedes Jahr sind wir am Donnerstag am Bibbern, ob wir es rechtzeitig schaffen. Aber es hat trotzdem immer geklappt», sagt Doris Bänteli.

 

 

 Die Zusammenarbeit basiert auf Vertrauen


Während des Turniers haben die Bäntelis etwas Zeit zum Verschnaufen. Heinz Bänteli macht tägliche Kontrollgänge, aber im Normalfall gibt es nicht viel zu tun. Ganz im Gegenteil zum Finalsonntag. Schon zwei Stunden nach dem Endspiel sieht man nichts Blaues mehr auf dem Center Court. 18 Leute, Freunde und Verwandte, montieren die Vorhänge ab und verstauen sie gleich wieder in den Plastikhüllen, damit die Stoffe wieder eingelagert werden können - bis zum nächsten Jahr.
Beachtlich ist, dass das Engagement von Bänteli Dekor an den Swiss Indoors nicht vertraglich festgehalten ist. «Roger Brennwald vertraut uns, und wir vertrauen ihm», sagt Heinz Bänteli und seine Frau fügt an: «Das grösste Lob für uns ist, wenn Roger Brennwald nach dem Turnier zu uns sagt: ‹Das war super.›» Einzig ein Totalumbau könnte die Vorhänge der Bäntelis aus der Halle verbannen. «Das wäre schade. Nicht aus finanziellen Gründen, sondern weil es für uns eine schöne und interessante Abwechslung ist», sagt Heinz Bänteli. Aber noch ist es ja nicht soweit. (baz.ch/Newsnet)

 

 

Unser Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter abonieren!